Verräterisches Profil (Marcus Hünnebeck)

Verräterisches ProfilDie Fantasien, die der Autor für “Verräterisches Profil” haben musste, sind verstörend. Hässliche Brutalität, die im Gegensatz zu Hollywood auch vor Kindern nicht zurückschreckt, wird einem da aufgetischt in Form von Serienmorden eines Triebtäters. Und stets trifft es eine dreiköpfige Familie. Alle drei werden ermordet, die Mutter aber vorgängig noch vergewaltigt. Polizeibeamtin Beate Bauer und ihr Team versuchen, dem perversen Mörder auf die Schliche zu kommen, bevor er seine nächsten Taten durchführen kann.

Das zurückbleibende Sperma ist zwar eine eindeutige Spur, bei der mittels DNA-Analyse eine Täterschaft einwandfrei bewiesen werden könnte. Aber eben nur könnte. So lange der DNA-Träger nicht bekannt ist, hilft das nicht wirklich weiter. Auch andere Spuren, die verfolgt werden, sind knifflig. Und wenn die Beamten dann mal erfolgreich einer Spur nachgegangen sind bis zur Person, zu der sie führt, müssen sie nicht selten feststellen, dass sie die Mühe nicht wert war.

In typischer Hünnebeck-Manier wird der Leser wieder an der Nase herumgeführt. Wenn man meint, den Täter jetzt zu kennen, kann man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass man nur dem Autor auf den Leim gegangen ist. So müssen im Verlauf der Geschichte fünf oder sechs Männer als Tatverdächtige hinhalten. Manchmal nur ein paar Seiten, manchmal auch über mehrere Kapitel. Zwar ist überlegt man sich beim Lesen noch, dass z.B. ein Schwuler kaum über eine Frau herfallen würde. Aber bei Hünnebeck kann man sich dessen nie so ganz sicher sein. Es ist zu oft alles anders, als es scheint.

Die Kripo-Beamtin Beate Bauer bekommt im Verlauf des Falles Hilfe von einem Professor für Kriminalistik, der eine neuartige Methode für empirisches Profiling entwickelt hat. Dadurch werden einzelne Tatverdächtige bestätigt, die anfangs weniger wahrscheinlich waren. Dafür fällt derjenige, den man als Leser am ehesten als Täter vermutete, durch das Täterprofil mehr oder weniger raus. Und schliesslich kommt Professor Gruper mit seiner Profil-Technik zu allem Elend auch noch auf eine Person, die nun wirklich nicht … aber eben, ich wiederhole mich: Es ist zu oft alles anders, als es scheint. Auch das Happy End sollte man bei Marcus Hünnebeck nicht mit zu viel Hoffnung erwarten. Man könnte zumindest teilweise enttäuscht werden.

Wie bislang jeder Hünnebeck, den ich gelesen habe, ist die Geschichte absolut spannend. Vom Umfang her eher knapp, so dass man bequem in zwei, maximal drei Abenden durch ist (oder auch an einem Tag, wenn’s denn sein muss). Dass der Autor die Erlebnisse und Gedanken des Täters in Ich-Form schreibt, steigert die Abwechslung, vor allem aber auch die Spannung. Der Leser ist gezwungen, sich durch die Sprache mit einem Monster zu identifizieren, mit dem man sich (so hoffe ich doch) keinesfalls identifizieren will.

Ein Wermutstropfen aus meiner Sicht: Sexuelle Perversion und brutale Gewalt werden detailiert genug beschrieben, dass einen Ekel erfasst. Das ist manchmal wirklich fast schon etwas anstrengend zu lesen. Da ist es mitunter schon befreiend, dass Autor Hünnebeck einen wenig ausschweifenden Schreibstil hat und schnell und prägnant erzählt. Die hässlichen Szenen sind dann auch schnell durch und man kann mit stetig steigendem Hassgefühl dem Täter gegenüber darauf hoffen, dass die Polizei mit Hilfe des Profilers Mark Gruber endlich erfolgreich sein darf.

Meine Wertung:

 

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27.12./28.12.

Verräterisches Profil (Marcus Hünnebeck)
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