Söldner des Geldes (Peter Beck)

Peter Beck ist ein Schweizer Autor, von dem ich bislang nichts hörte. Damit ist er in bester Gesellschaft, denn ich meine generell, dass man zu wenig hört von Schweizer Schriftstellern. Bei meinem letzten Einkauf habe ich aber ein knappes Dutzend Bücher von CH-Autoren in den Warenkorb gepackt, und da war Beck eben auch dabei.
Sein Schreibstil, der manchmal fast telegrammähnlich daherkommt, ist gewöhnungsbedürftig. Für mich jedenfalls. Kurze Sätze mag ich. Wenn zwischen großen geographischen Hüpfern aber nur ein Satz liegt, finde ich das dann doch zu knapp.

Weniger sei mehr, sagt man. Bei Beck ist das manchmal des Guten zu viel. Immerhin muss man sich nicht durch absatzweise Umschreibungen quälen. Es geht zügig voran. Erstaunlich, dass Beck in diesem Stil trotzdem über 400 Seiten füllen konnte.

Mit wenigen Ausnahmen – die gerne etwas ausführlicher sein dürften – wird die Geschichte aus Sicht von Winter erzählt, so dass kaum zeitliche Sprünge gemacht werden.

Der knapp angebundene Schreibstil des Autors findet man auch in der Hauptfigur, Tom Winter, wieder. Eher wortkarg und mit vielen spontanen Gedanken ermittelt der zielstrebig.

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Der Präsident (Sam Bourne)

Der Präsident _ Sam BourneEs ist vermutlich fast unmöglich, dieses Buch zu lesen ohne ständig Donald Trump vor Augen zu haben. Und natürlich sind die Gemeinsamkeiten mit dem amtierenden US-Präsidenten gewollt. Behaupte ich zumindest, denn anders ist es kaum vorstellbar. Und um dem Ganzen noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, hat der deutsche Verleger beschlossen, ein Profil auf der Titelseite abzubilden, das wohl nahezu jeder als Donald Trump erkennt. Bei der Art, wie Donald Trump regiert, erstaunt es mich eigentlich, dass er den aktuellsten Roman von Sam Bourne nicht verbieten ließ. Aber vermutlich käme das nur einem Eingeständnis gleich: Jawohl, der Autor schildert konkret die Person Trump, deshalb geht das nicht.

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Jakobshorn (Silvia Götschi)

Allegra Cadisch ist Hauptperson und Erzählerin zugleich. Sie lebt seit Jahren nicht mehr in Davos, kehrt aber in die Heimat ihrer Kindheit zurück, um an der Beerdigung ihres Vaters teilzunehmen. Sie zweifelt am angeblich natürlichen Tod des selbsternannten Dorfkönigs und Patriarchen. Warum sie das tut, will nicht so recht einleuchten. Sie tut es einfach.

Sie konfrontiert einen stetig grösser werdenden Kreis von Personen mit ihren Vermutungen und Verdächtigungen. Entgegen dem Willen der Polizei (und allen anderen) fängt sie auf eigene Faust mit Ermittlungen an. Die bringen sie zwar Schritt für Schritt weiter (manchmal auch auf gar wundersame Weise), führen sie aber auch immer tiefer in Abgründe in ihrer Familie, von denen sie nicht einmal ahnte.

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