Das tödliche Auge (Bill Granger)

Der vorliegende Roman (Originaltitel The Shattered Eye) ist eigentlich der dritte Roman aus der Reihe um den Agenten Devereux, auch November Man genannt. Aber den zweiten Band mit dem Titel Schism konnte ich nicht auf Deutsch finden. Wie auch immer, es scheint nicht zwingend, dass man Band 2 gelesen hat, die Geschichte ist auch so verständlich. Wobei, so ganz verständlich ist sie mir eben doch nicht, aber das liegt mehr am komplexen Plot, den sich Granger aus dem Finger gesogen hat, als an der Kontinuität.

Worum geht’s? Gute Frage. Man behalte sich im Hinterkopf, die Geschichte spielt anfangs 1980er Jahre, also mitten im Kalten Krieg. Die Russen planen, in absehbarer Zeit wesentliche Teile von Westeurope zu übernehmen. Das soll mit wenig Blutvergiessen und kaum kriegerischen Handlungen vonstatten gehen, wofür die Sowjets einen Plan ausgeheckt haben. Wenn man als Leser diesen Plan abschliessend verstehen will, muss man sich schon sehr konzentrieren (sofern es überhaupt möglich ist, mir ist’s nämlich nicht gelungen). Jedenfalls steht ein Attentat auf den französischen Präsidenten Francois Mitterand im Zentrum dieses Plans. Den Mord an Mitterand soll dann, so der Plan, den Amerikanern in die Schuhe geschoben werden, wofür auch alles vorbereitet ist. Dies wiederum soll die Banden zwischen den Franzosen und Amerikanern zunichte machen und Frankreich bei der geplanten Invasion isolieren von der NATO.

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Ich und der Kindle

Ich bin ein Gegner von proprietären Systemen. Wo immer ich es ohne grosse Komforteinbusse verhindern kann, gehe ich Systemen aus dem Weg, bei denen ich fix an einen Anbieter gebunden werde. Der Kindle von Amazon war deshalb seit jeher so ein Gerät, auf das ich dankend verzichtete. Ich kauf‘ doch keine Hardware, bei der ich nur noch von einem einzigen Anbieter Inhalt beziehen kann? Bin ich blöd, oder was?

Naja, seit Aufkommen des Kindles sind einige Jahre vergangen. Einiges hat sich seither verändert, auch an meiner Einstellung. Denn längst ist es nichts ungewöhnliches mehr, dass Hardware-Anbieter auch Content-Lieferanten sind. Und Amazon hat bewiesen, dass genug deutschsprachiger Inhalt vorhanden sein wird. So bin ich über meinen Schatten gesprungen und habe mir einen Kindle Paperwhite gekauft.

Allerdings wird das Lesegerät von Amazon meinen bisherigen E-Book-Reader von Tolino nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Denn ich will weiterhin ein kleines bisschen gegen die Expansionspolitik und Vormachtstellung von Amazon protestieren. Was immer im E-Book-Store meines Vertrauens in der Schweiz verfügbar ist, werde ich auch da kaufen – unabhängig vom Preis (so lange der nicht 200 und mehr Prozent abweicht). Wozu dann überhaupt einen Kindle?

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Codename November (Bill Granger)

Keine Ahnung, ob ich da von der Marketingabteilung meines Buchhändlers in die Irre geführt wurde oder mir einfach aufs Gratwohl eingebildet hatte, das hier wäre was Neues. Ist es nicht. „The November Man“, wie der Roman im Original heisst, erschien 1979. Der deutsche Titel ist etwas irreführend, würde man doch die wörtliche Übersetzung „Der November-Mann“ als angebracht erwarten. Und diesen Titel gibt’s auf Deutsch tatsächlich auch, er betitelt aber den sechsten Band (englischer Titel „There Are No Spies“). Würd‘ ich mal so salopp als sehr unglücklich bezeichnen.

Der Hauptteil der Geschichte spielt im Irland von damals (1979), also mit den ganzen Spannungen, Anschlägen der IRA, und so weiter. Will heissen: Man muss sich schon ein bisschen umstellen.

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