Im Sommer sterben (Michael Theurillat)

Im Sommer sterbenEin Zürcher Banker wird auf einem Golfplatz erschossen. Völlige Ahnungslosigkeit bei der Polizei. Kommissar Eschenbach, die Hauptfigur in Theurillats Erstlingswerk, übernimmt den Fall und kommt ewig nicht vom Fleck. Und diese gefühlte Ewigkeit für Eschenbach färbt irgendwie auch auf den Leser ab. Denn in Theurillat Debütroman “Im Sommer sterben” geschieht seitenweise so wenig, dass man es eigentlich getrost als ‘nichts’ bezeichnen könnte. Ganze Kapitel handeln von Ermittlungen, Gesprächen, Gedanken, die den Figuren zwar etwas Leben einhauchen und vielleicht auch ein wenig Zürcher Stadtstimmung vermitteln, die Geschichte an sich aber eigentlich nicht voran bringen.

Es geschieht immer irgendwas, aber selten etwas wirklich Entscheidendes oder wenigstens Spannendes. Und die Fähigkeiten der Zürcher Kantonspolizei sind hoffentlich extrem unrealistisch wieder gegeben. Denn nach der Vorstellung des Autors machen die da nicht viel mehr als das annehmen, was ihnen zufliegt. Auf Plausibilität prüfen? Jo, klar, beim zweiten oder dritten Fehlalarm vielleicht. Sauber recherchieren? Hm, nicht wirklich. Dafür mal schnell in Flugzeuge oder Eisenbahnen hüpfen und nach Paris düsen? Klar. Zumindest aus ermittlungstechnischer Sicht konnte mich der Roman absolut überhaupt nicht überzeugen. Ich möchte nicht unbedingt jede Tätigkeit von Eschenbach blumig ausgeschmückt beschrieben haben. Ich möchte, dass die Geschichte voran geht und Spannung bietet.

Dass Eschenbachs Assistent Claudio Jagmetti ein Techtelmechtel mit der jungen Tatverdächtigen beginnt, ist dann noch der Höhepunkt.

Nun, als herauskam, dass der ermordete Philipp Bettlach pädophile Veranlagungen hatte und kinderpornografisches Material scheinbar nicht nur besass, sondern erstellte, dachte ich, es käme Schwung in die Sache. Aber ich irrte. Auch als die landesweite Aktion gegen Kinderschänder ein Thema war, schien es erneut, dass die Polizei eher gut im Verschlampen als im Ermitteln ist. Dass dann am Ende gleich zwei, drei Mal die Geschichte eine Wendung nahm, konnte dann auch nicht mehr wirklich alles wettmachen. Zumal Wendung Nummer 1 nur wieder die Dummheit der Polizei zeigte, die schlechter ermittelt als die Presse recherchiert. Und die wenn dann endlich der tatsächliche wahre Mörder präsentiert wird, dann geschieht das wieder (fast) ohne Wirken der Polizei durch ein Geständnis, das krass daherkommt, aber nicht wirklich überzeugt.

Fazit: “Im Sommer sterben” ist stellenweise spannend, hat dazwischen aber vor allem viele Seiten, die nicht gerade langweilig, aber doch eher langatmig sind. Es ist das Erstlingswerk. Deshalb runde ich auf und gebe dem Autoren auch noch eine Chance mit einem weiteren Roman.

Meine Wertung:

 

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01./05.02.

Im Sommer sterben (Michael Theurillat)
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