Gekreuzigt (Martin Olden)

Gekreuzigt“Gekreuzigt” wird in diesem Roman niemand. Aber die neunzehnjährige Schülerin Beatrice wird erwürgt aufgefunden. Die Ermittlungen führen die Kriminalhauptkommissare Bernd Steiner und Karol Makourek in den Benediktinerorden, der Träger des Gymnasiums ist. Dutzende Mönche, 70 Lehrer und über 100 weitere Angestellte leben und arbeiten auf dem Gelände. Doch ins Visier der Ermittler gerät bald einer der Mönche. Pater Thomas ist so gar nicht der typische Mönch. Er hat Psychologie studiert und hat Bekanntheit erlangt durch seine Literatur, die nicht selten romantisch oder gar erotisch angehaucht ist. Ausserdem ist es offenkundig, dass er eine Freundschaft mit der ermordeten Beatrice pflege. Wie weit diese ging, weiss niemand wirklich.

Doch Bernd Steiner hat sich auf Pater Thomas eingeschossen. Dass ihn Pater Thomas an seine Kindheit erinnert, als sein Bruder ermordet wurde, lässt die Wut in ihm ins Unermessliche steigern. Das wird ihm auch da und dort zum Verhängnis. Er überschreitet Grenzen, denen ein Ermittler nicht mal nahe kommen sollte. Er wird handgreiflich, beleidigt und beschimpft Verdächtige. Natürlich überhaupt nicht denkbar, dass so eine labile Persönlichkeit als Polizist im Aussendienst ist. Aber hey, irgendwie witzig, wenn die Hauptfigur mal kein richtiger Held, sondern mehr ein Arschloch ist.

Tatsächlich landet der Pater nach einem Geständnis im Knast. Doch eben dieses Geständnis entpuppt sich später als lediglich ein Zitat. Nimmt der Pater tatsächlich die Schuld auf sich, damit endlich wieder Ruhe einkehren kann? Oder deckt er jemanden? Bernd Steiner, mittlerweile von der Unschuld des Paters überzeugt, ermittelt erfolglos weiter und verzweifelt fast.

Dann geschieht ein Selbstmord und das Opfer hinterlässt einen Brief mit Geständnis. Fall gelöst. Offiziell zumindest. Denn nur der Leser erfährt die letzte Wendung in der Geschichte.

Die Geschichte von Autor Martin Olden ist äusserst spannend, obwohl nicht wirklich viel geschieht. Man begleitet als Leser hauptsächlich die beiden Kommissare Steiner und Makourek bei ihren Ermittlungen. In tagebuchähnlichen Einschüben des Täters erfährt man nicht viel mehr die Gedankengänge eines kranken und gekränkten Täters. Eine Ahnung, wer das ist, hat man über fast die gesamte Buchlänge höchstens ansatzweise. Bauchgefühl eines erfahrenen Krimilesers könnte man das nennen. Aber da immer mehr Personen in der Geschichte auftauchen, eröffnen sich auch immer neue Möglichkeiten für diejenigen, die gerne mitraten.

Wenn ich das auf die Schnelle richtig recherchiert habe, dann war “Gekreuzigt” im 2013 der erste Roman, den Olden veröffentlichte. Und damit gehört er in die Reihen derjenigen Schriftsteller, die ein gelungenes Debut abliefern. Die Handlung dreht sich fast ausschliesslich um die Ermittlung um den besagten Mordfall. Und die zahlreichen Gespräche, die Steiner im Verlauf der Ermittlung führt, sind bis auf die Scheisslaune von ihm selbst ziemlich überzeugend. Auch die Einbettung in das religiöse Umfeld ist dem Autor gelungen. Sexuelle Entgleisung und katholische Kirche sind zwei Themen, die vermutlich unzertrennlich zusammen gehören und auch in diesem Roman eine wesentliche Rolle spielen.

Je mehr die Geschichte ihrem Ende entgegen lief, desto weniger hat sie mich allerdings überzeugt. Der Selbstmord und die Figur, die als Selbstmordopfer in der Geschichte herhalten musste, sowie ihr Abschiedsbrief fand ich doof. Und verbunden mit der allerletzten Wendung, mit der die Geschichte endet, fehlte mir da einfach die realitätsbezogene Glaubwürdigkeit. Aber da sprechen wir von einigen wenigen Seiten, auf die man getrost hinwegsehen darf, zumal man vorher ein paar Stunden gute Unterhaltung geniessen durfte.

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08./10.01

Gekreuzigt (Martin Olden)
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