Die Wahrheit (David Baldacci)

Rufus Harms sitzt im Gefängnis, weil er als Militärangehöriger einen Mord an einem Mädchen beging. Nach vielen, vielen Jahren Leiden im Knast gelangt er an Beweise, die seine Unschuld beweisen oder zumindest die Frage aufwerfen, ob er zu Recht weggesperrt wurde. Doch eine Person nach der anderen, die mit diesen Beweisen in Berührung kommt, stirbt eines gewaltsamen Todes, so dass Harms’ Hoffnungen stets kleiner werden.

Es beginnt mit Michael Fiske, einem Assessor des obersten Gerichtshofs, der entgegen aller Vorschriften die Petition von Harms an sich nimmt und auf eigene Faust recherchiert. Dabei besucht er auch den Gefangenen selbst. Noch auf der Heimfahrt vom Gefängnis wird er ermordet.

John Fiske, der Bruder eben dieses ersten Mordopfers ahnt jedoch, dass etwas faul ist an dem scheinbar zufälligen Mord und geht der Sache nach. Bald darauf folgen weitere Morde, deren Zusammenhang erst nach und nach entdeckt wird. Es beginnt eine Jagd, bei der streckenweise ziemlich unklar ist, wer eigentlich wen jagt und wem vertraut werden kann. Diese Unklarheiten ziehen sich in etlichen Teilen bis zum Ende hin, so dass selbst in den Schlussszenen noch Überraschungen auftauchen, mit denen man als Leser nicht rechnen konnte.

Der Einstieg in “Die Wahrheit” ist alles andere als geschmeidig. Baldacci verlangt der Leserschaft einiges ab in Bezug auf die Einführung von Protagonisten, ihren Namen und Funktionen. Die mehrspurig erzählte Geschichte schreit stellenweise geradezu danach, dass man sich einen Notizblock zur Hand nimmt und die wichtigsten Personen und ihre Rollen aufschreibt. Insbesondere die Teile, die den obersten Gerichtshof, seine Funktion und seine Mitglieder behandeln, sind mitunter anstrengend zu lesen. Denn Baldacci bringt wirklich zahlreiche Figuren in die Geschichte.

Man akzeptiert in fiktiven Geschichten ja gerne ein paar Zufälle und Ereignisse, die man in der Realität als unwahrscheinlich oder gar unmöglich abtun würde. Im Fall von “Die Wahrheit” hat Baldacci damit aber etwas übertrieben. Wendungen sind eine tolle Sache, sie machen eine Geschichte spannend. Aber wenn am Ende kaum mehr etwas so ist, wie es zu Beginn scheint, dann muss das Konstrukt schon verdammt überzeugend sein. Und das will David Baldacci in diesem Fall, zumindest für meinen Geschmack, nicht so ganz gelingen. Es ist einfach etwas zu viel, das dem Leser zugemutet wird.

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