Die Namen des Todes (Marcus Hünnebeck)

Die Namen des Todes - Marcus HünnebeckDas Cover sieht Scheisse aus, sorry. Aber: Wenn der Inhalt so ist, wie das bei Marcus Hünnebeck normalerweise der Fall ist, dann ist das schnell vergessen. Und das ist es tatsächlich.

Ein Hinweis vorweg: Es gibt eine Kurzgeschichte (Die Namen des Todes – Die Jagd beginnt), die diesem Roman zeitlich voraus geht. Es ist mir nicht bekannt, ob der Autor diese kurze Vorgeschichte im Nachhinein geschrieben hat (meine Vermutung) oder ob er damit im Sinne eines Pilotversuchs testen wollte, wie die Idee ankommt. Oder war’s gar eine Art Teaser?

Im vorliegenden Buch – also nicht der gerade erwähnten Kurzgeschichte – geht es um die erste Geschichte von Robert Drosten. Er ist Kommissar beim Bundeskriminalamt (BKA) und gerade mit einer Sonderkommission (Soko) damit beschäftigt, die Mitglieder eines Forums im sognenannten Darknet ausfindig zu machen. In jenem Forum sind nur 14 Menschen Mitglied. Und es wird nur über kriminelle Serientaten wie Mord, Vergewaltigung und ähnlichem diskutiert.

So weit, so gut. Dank anonymer Hilfe gelingt es den Beamten, zu diesem Forum Zugang zu erhalten. Und sie stellen fest, dass zumindest ein Teil der Mitglieder tatsächlich mit Verbrechen in Verbindung gebracht werden kann. Nun gilt es, die Schwätzer, die nur von Gewalttaten reden, herauszufiltern und alle anderen tatsächlichen Täter zu identifizieren. Und prompt geschieht genau jetzt ein weiterer Mord, der ins Schema eines Forummitglieds passt. Als wäre das nicht genug, wird Drosten persönlich in die Sache hineingezogen und er merkt zu spät, dass auch seine Frau zum Ziel wurde.

Was gibt’s zu sagen zu Drosten? Ein Mittvierziger, der offenbar beliebt ist bei Dienstkollegen, aber eine Ehe führt, die von ihm weitgehend unbemerkt in die Gleichgültigkeit abdriftete. Die Beziehung zu seiner Frau Melanie ist eher kühl, zumal sie sich beruflich bedingt ohnehin nur wenig sehen. Wie sehr er das allenfalls bereut, nach den Vorkommnissen in dieser Geschichte, ist (noch) nicht klar. Ich gehe davon aus, dass der Autor das in den späteren Geschichten aufnimmt.

Typisch für einen Hünnebeck erlebt man den grössten Teil der Geschichte zwar aus Sicht von der Hauptfigur Drosten. Doch immer wieder gibt’s erzählerische Abwechslung durch andere Perspektiven. Nicht selten erfährt man dabei nicht, von wem gerade die Rede ist, was natürlich die Spannung steigert. Ein fieser, aber wirkungsvoller Trick des Autors ist es zudem, dass er desöftern ganz bewusst den Leser auf eine falsche Fährte schickt. Deshalb gilt bei Hünnebeck der Grundsatz: Wenn da nicht ausdrücklich steht, von wem gerade die Rede ist, dann ist es meisten nicht der, den man meint.

Ich liebe diese Art von Verwirrung, auch wenn ich nicht mehr so oft drauf reinfalle. Es ist allerdings selbsterklärend, dass es für den Leser so natürlich nicht möglich ist, den Täter selber zu entlarven.

Was ebenfalls Geschmacksache ist, mir aber sehr gefällt, ist die Art von Hünnebeck, sich nicht ewig mit Details aufzuhalten und seitenweise über die Psyche von Protagonisten oder die Funktionsweise von Maschinen, Waffen oder Computersystemen zu schreiben. Ich weiss, es gibt Leser, die das lieben. Auch ich bin nicht immer abgeneigt, sowas zu lesen (z.B. Tom Clancy). Aber ich meine, Marcus Hünnebeck hat einen prima Mix gefunden, indem er zwar ein hohes Tempo anschlägt und Details vermeidet, ohne jedoch auf das Niveau eines oberflächlichen Groschenromans zu fallen.

Um die kleine Lobeshymne mal wieder abzuschliessen noch ein paar Worte zum Buchinhalt: Die Spannung besteht primär darin, dass einerseits ein  Mord geschieht und ein weiterer angekündigt wird, andererseits die Polizisten eigentlich mehrere heisse Spuren verfolgen und auf dem richtigen Weg sind. Es ist für den Leser so weniger die Frage, ob der oder die Täter geschnappt werden, sondern eher ob das noch rechtzeitig geschieht. Und weil man die Seite von Täter, Polizei und Opfer miterlebt, geht das schon da und dort an die Nerven. “Nein, warum macht die das?” oder “Mann, tut doch dieses oder jenes!” sind Gedanken, die einem schon mal durch den Kopf gehen.

Die Geschichte dürfte für meinen Geschmack gerne noch etwas länger sein. Aber ich hatte bislang noch bei jedem Hünnebeck das Gefühl, der Roman wäre viel zu schnell fertig. Irgendwie ist mir das aber auch lieber, als umgekehrt die Fälle, bei denen man sich das Ende herbei sehnt. Und abgesehen davon geht die Geschichte ja auch tatsächlich weiter. Denn dieser Fall betreffend Darknet-Forum ist alles andere als abgeschlossen.

Meine Wertung:

 

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01./03.04.

Die Namen des Todes (Marcus Hünnebeck)
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