Die Heuschrecke (René Junge)

Hinweis: Dies ist Band 2 aus der Reihe um den Ex-Soldaten Simon Stark. Es empfiehlt sich, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Hier geht’s zum ersten Band. 

“Die Heuschrecke” hat überhaupt nichts mit dem hüpfenden Tierchen zu tun. Es ist mehr ein Synonym für einen Immobilienhai, der wie eine Schar Heuschrecken über St. Pauli herfällt. Wenn ich’s richtig in Erinnerung habe, wird darauf auch nur zwei oder drei Mal Bezug genommen. Der Titel ist also mehr willkürlich.

Die Geschichte aus Band 1 wird fast nahtlos weiter erzählt. Simon Stark, der Ex-Soldat, der im ersten Band im Kampf gegen den wahnsinnigen Neo-Nazi Viktor Brack ordentlich einstecken musste, hat wegen den Verletzungen aus dem ersten Abenteuer beide Beine verloren. Seither rackert er sich mit Prothesen ab. Das gibt ein doch sehr ungewohntes Bild eines Helden. Endlich mal was anderes, etwas Mutiges. Wie oft gab es denn schon Helden mit körperlichen Behinderungen?

Leider ist es aber gerade diese Sache mit den Prothesen, die mich mit sehr gemischten Gefühlen zurück lässt. Aber dazu später mehr. Erst Mal zur groben Handlung:

Ein britischer Immobilienspekulant will fast ganz St. Pauli kaufen. Damit besser betuchte Kundschaft einzieht, will der Immo-Hai Boyle die Gegend “säubern”. Seine zahlreichen Schlägertypen vertreiben Prostituierte, Obdachlose und Junkies. Notfalls und falls die Vertriebenen wieder kommen wenden sie dabei auch rohe Gewalt an. Ja, nicht einmal von Totschlag schrecken sie zurück.

Simon Stark, der mittlerweile beim Hilfs-Bus e.V. hilft, sind Obdachlose fast wie seine Familie. Er und Sophie Palmer, die Initiantin des Hilfswerks, nehmen die Sache deshalb bald persönlich und stellen mit Hilfe ihrer Freunde Nachforschungen an. Bald sind deswegen auch Frieder, der Geschichtsstudent und Dawn Widow, die 60jährige Häckerin, in Lebensgefahr.

Es entsteht eine kaum mehr überschaubare Jagd in zwei Richtungen: Der hochintelligente aber ebenso psychisch verfremdete Boyle auf der einen Seite, Simon und seine unterschiedlichen Freunde auf der anderen Seite. Frieders Freundin wird ermordert, er selber gefoltert. Sophie ebenfalls. Dawn muss eine Schnitzeljagd über sich ergehen lassen, bei der es auf Leben und Tod geht. Und der neue Hacker-Freund, der sich der Gruppe anschliesst, wird angeschossen.

Fast in jedem Kapitel bleibt eine Leiche zurück – nicht immer auf Seite der Bösen. Es scheint mitunter, Hamburg wäre komplett polizeifrei und der Anarchie überlassen. Da wird in Geschäftshäusern geschossen, ganze Hotelzimmer mit Machinenpistolen zerstört – aber eine Polizei oder wenigstens ein hauseigener Sicherheitsdienst? Fehlanzeige. Nicht wirklich so richtig glaubwürdig.

Dass die entführten Dawn und Sophie mal eben rasch einen GPS-Sender in den Nacken implantiert bekommen, der aber scheinbar nicht mehr einfach so entfernt werden kann, ist auch nicht richtig vorstellbar. Das ist aber noch nichts gegen die Cyber-Prothesen, die Simon Stark von Ragnar, dem neu zur Gruppe gestossenen Hackerfreund von Dawn, erhält. Neuartige Technologie, neuartige Energieträger, Motoren – alles scheint aus einer anderen Welt zu sein. Simon kann damit laut Buch tatsächlich mit mehr als 40 km/h (!) laufen.

Aber auch vom Plot her gibt es diverse Stellen, bei der sich die Protagonisten nicht logisch, sondern schlicht der Geschichte dienlich verhalten. So müsste Simon Stark nach der Rettung von Sophie eigentlich nur da bleiben, wo er gerade ist, und auf Bertrand Boyles Rückkehr warten. Und zack könnte die Sache zu Ende gebracht werden. Stattdessen flüchtet er mit ihr, nur um kurz darauf wieder zu versuchen, Boyle ausfindig zu machen.

Keine Frage, die Geschichte ist spannend. Nur scheint mir “Die Heuschrecke” deutlich weniger durchdacht, was den Plot angeht, als der erste Band. Und was die Glaubwürdigkeit angeht bewegt sich der Autor hier für meinen Geschmack schon arg an der Grenze des Zumutbaren.

Meine Wertung:

 

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30.-31.12.

Die Heuschrecke (René Junge)
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