Der letzte Befehl – 16. Reacher-Band (Lee Child)

Der letzte Befehl - Lee ChildNachdem ich letzte Woche in Diane Capris Reacher-Paralleluniversum geschnuppert habe, halte ich es für passend, heute einen echten Reacher vorzustellen. “Der letzte Befehl” ist Band 16 in der mittlerweile mindestens 22 Bücher umfassenden Reihe um den Militärpolizisten Jack Reacher. Die Nummerierung bezieht sich dabei auf die Reihenfolge der Erscheinung, nicht auf die Chronologie. Leider, muss man dazu sagen. Denn der Lesespass wäre sicherlich noch etwas höher, aber als Autor kann man halt Bücher auch erst schreiben, wenn man die Idee dazu hat.

Der letzte Befehl handelt von Reachers… letztem Befehl. Er ist noch bei der Militärpolizei und noch nicht aus der Armee entlassen. Zeitlich spielt die Handlung also noch vor dem ersten Reacher-Roman “Grössenwahn”. Vermutlich sogar unmittelbar davor, denn Reacher erfährt nebenbei, dass sein Bruder in Georgia ist und möglicherweise in Problemen steckt. Würde ja passen zu “Grössenwahn”.

Konkret spielen sich die Ereignisse im Jahr 1997 ab und somit auch noch vor den Terroranschlägen von 2001. Auf die wird auch hingewiesen, wenn der Erzähler (Jack Reacher) erwähnt, dass die Terroranschläge noch nicht geschahen und die Sicherheitsvorkehrungen noch etwas weniger streng waren. Das funktioniert, weil die Geschichte in der Ich-Form aus Sicht von Reacher erzählt wird. Und weil er sie erst im Jahr 2011 (Erscheinung Originalversion) erzählt.

Lee Child nutzt die Rückblende unter anderem dafür, um der Leserschaft zu erklären, wie Reacher zu seinem späteren Reisestil kam. Bekanntlich reist er ja nahezu ohne Gepäck (ausser der Zahnbürste) und ohne Ersatzkleidung. Offenbar hat der letzte Auftrag und der damit verbundene Stil des Lebens damit zu tun. Auch realisiert er durch die Erlebnisse in “Der letzte Befehl”, dass es in den USA noch viele Orte zu entdecken gibt, die er noch nicht kennt. Reacher-Fans kennen diesen Gedankengang. Und auch die Art, wie Reacher sich später Geld schicken lässt, lernt er in diesem Buch kennen.

Alles nett und witzig. Aber worum geht’s eigentlich? Eine Frauenleiche. Bald stellt sich heraus, dass es drei sind. Und das in einem Kaff, das eigentlich nur dank des nahegelegenen Army-Stützpunktes überhaupt leben kann. Die Frage: Wer hat die Frauen ermordet? Entweder einer der Army. Oder eben nicht. Reacher und sein Militärpolizei-Kollege sollen es getrennt voneinander herausfinden; der Kollege im Stützpunkt, Reacher getarnt als Zivilist in der Stadt.

Die beiden vereinen sich gegen Schluss zwar, der Hauptteil der Geschichte dreht sich aber nur um das, was Reacher erlebt. Und der macht sich vor allem mal an den Sheriff ran. Der Sheriff ist nämlich eine Sie, und offenbar eine, die Reacher gefällt. Tatsächlich bringen sie’s auf sechsmal Sex in der Geschichte. Und auch wenn man es bei Reacher üblich ist, dass er im Verlauf eines Romans mit einer weiblichen Schönheit im Bett landet, hat Autor Child hier irgendwie übertrieben.

Jack Reacher freundet sich also mit Sheriff Devereaux an und unterstützt sie bei der Klärung von drei Morden, die auf den zweiten Blick ähnlicher sind als sie zunächst scheinen. Und dann gibt es noch einen Toten. Und noch einen. Die Rede von einem inoffiziellen Sperrgebiet kommt auf und bleibt in der Luft hängen. Denn so richtig klar, was das hätte sein sollen, wurde mir nicht. Die Erklärung, die im Buch geliefert wird, ist einfach nicht wirklich überzeugend.

Das trifft auch auf verschiedene andere Punkte zu. Zum Beispiel die lächerlich simplen Fragen, die sich Reacher stellt, der örtlichen Polizei aber offenbar bislang nicht gekommen sind. Keine Fingerabdrücke? Keine Abklärungen zur Person? Keine Recherche? Wenn bei einem Selbstmord einer auf die Gleise steht, merkt das der Zugführer und leitet die Notbremsung ein. Aber wenn ein Auto auf den Schienen parkt und gerammt wird, merkt er das nicht bzw. fährt einfach weiter?! Hä? Mitunter echt anstrengend.

Lange Rede, kurzer Sinn: Sicher nicht der beste Reacher. Durchaus unterhaltsam, durchaus spannend. Aber keinesfalls ein Knüller. Zu viele Fäden, aus der Lee Child die Geschichte strickt, bleiben im Freien hängen.

Meine Wertung:

 

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22.06. / 08.07.

Der letzte Befehl – 16. Reacher-Band (Lee Child)
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2 thoughts on “Der letzte Befehl – 16. Reacher-Band (Lee Child)

  • August 18, 2018 at 2:35 pm
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    Reacher Stories sind legendär. Habe noch nicht alle durch. 👍

    Reply
    • August 19, 2018 at 8:50 am
      Permalink

      Ja, da sind tatsächlich einige dabei, die spitzenmässig sind (nicht alle). Bei welchem bist du derzeit?

      Reply

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