Ausgebrannt (Andreas Eschbach)

Ausgebrannt - Andreas EschbachWenn ich Datumsangabe stimmt, habe ich dieses Buch vor siebeneinhalb Jahren erstmals gelesen. Es geschieht selten genug, dass ich einen Roman zweimal lese. Da fand ich, ich könne gut nochmals eine kurze Rezension schreiben.

Ich wusste noch, dass ich “Ausgebrannt” echt stark fand, aber ich konnte mich kaum mehr an den Handlungsverlauf erinnern. Vielleicht ist das ein Vorteil vom Älterwerden: Man kann die gleichen Geschichten lesen, ohne sich zu langweilen.

Ärgerlich fand ich hingegen, dass ich den Roman nochmals kaufen musste, weil Tolino aus mir unerklärlichen Gründen alle älteren Eschbach-Romane gelöscht hat. Auch Wiederherstellen bzw. erneutes Runterladen war nicht möglich. Was soll’s, Herr Eschbach wird Freude haben, dass ich den Kaufpreis ein zweites Mal entrichtet habe. Aber jetzt zum Roman.

Die Hauptrolle spielt eindeutig Markus Westermann, ein IT-Vertriebsmensch, der im Rahmen von Übersetzungs- und Lokalisierungsarbeiten an einer Software für ein paar Monate in die USA ziehen muss. Er ist fest entschlossen, das amerikanische Festland nicht mehr so schnell zu verlassen und stattdessen hier seinen Traum vom eigenen Geschäft aufzubauen.

Man weiss ja vom Klappentext, dass Thema des Buches der Kollaps der Erdölförderung ist. Man wundert sich aber Seite um Seite, Kapitel um Kapitel, wie der Autor da den Bogen spannen will. Ich kann entwarnen: Er schafft es.

Auf beachtenswerte Weise strickt Eschbach die Geschichte von Markus immer weiter. Obwohl es unzählige Seiten lang scheinbar (oft auch tatsächlich) überhaupt nicht um das eigentliche Thema geht, kommt nie Langeweile auf. Im Gegenteil, man freut sich über die viele Abwechslung, die der Autor in die Geschichte packt, nicht selten weit in die Geschichtsbücher ausholend in eine Zeit, die zum Teil nur ferne Vorfahren der Leserschaft erlebt haben könnten.

Der Traum von Markus Westermann scheint in Erfüllung zu gehen. Durch glückliche Umstände lernt er einen Ingenieur kennen, der äusserst zuverlässig Erdöl zu finden scheint. Verständlich, dass so etwas auf grosses Interesse stösst, wenn man sich dadurch millionenteure Testbohrungen ersparen kann. Es gelingt Westermann und Block, seinem Partner, auch tatsächlich, eine milliardenschwere Investmentgesellschaft an Bord zu holen. Und auch in der Liebe hat Westermann mehr Glück, als er sich vorstellen kann. Er ist in der obersten Etage des Lebens angekommen, im Jetset, in der Liga der Reichen.

Doch dann geht ziemlich schnell ziemlich viel schief. Block wird scheinbar entführt, die Investoren wollen ihr Geld zurück und Markus ist im Wettlauf mit der Zeit: Er muss unbedingt die geheimen Notizen von Block bekommen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Der ganze Roman wäre schon spannend, wenn er schlicht chronologisch erzählt würde. Doch Eschbach macht’s noch viel spannender, weil er die Erlebnisse von Westermann sowohl in der Gegenwart, wie auch in der Vergangenheit erzählt. So beginnt die Geschichte zum Beispiel damit, dass Markus in den USA in einen Verkehrsunfall verwickelt ist und in einem deutschen Krankenhaus aufwacht. Alles davor und alles danach erfährt die Leserschaft dann häppchenweise. Dazwischen immer wieder Exkurse in die noch weitere Vergangenheit, zum Teil fiktiv, nicht selten aber auch vermutlich fundiert recherchiert den Tatsachen entsprechend.

Und die Komplexität steigt noch, weil Andreas Eschbach geschickt auch andere Personen Nebenrollen zukommen lässt. Da ist zum Beispiel die Schwester von Markus, die in Deutschland just dann in ein grosses, altes Haus zieht, als die Heizkosten wegen dem verteuerten Erdöl ins Unermessliche steigen und die versucht, mit einem kleinen Laden im Dorf das Einkommen zu verbessern. Oder Markus’ Bruder Frieder. Oder ein arabischer Prinz. Oder Taggard, ein CIA-Agent, der mehrfach mit der Familie Westermann Berühungspunkte hat.

Sehr eindrücklich zeichnet der Autor ein Bild von einer möglichen Entwicklung der Zivilisation, wenn Erdöl plötzlich fast unerschwinglich wird. Zum Beispiel dann, wenn er schildert, wie die Religion wieder stärker zum Tragen kommt und ihre wahre (Schatten)Seite zeigt.

Immer und überall überzeugt dabei die lebhafte Beschreibung von gerade so vielen Details, dass man sich die Situation bildlich vorstellen kann, ohne dass es schwerfällig zu lesen wird. Grossartig, wie ich meine.

Eine äusserst spannende, vielseitige und zwar nicht wahre, aber dennoch realistische Geschichte. Absolut empfehlenswert.

Meine Wertung:

 

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26.08.18

Ausgebrannt (Andreas Eschbach)
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