Das Genessee-Komplott (Robert Ludlum)

Meine Güte, ich kann mich nicht erinnern, wann ich zum letzten Mal so lange an einem Roman hatte. Nicht, weil er besonders umfangreich wäre. Das Genessee-Komplott ist zwar kein Heftroman, besitzt aber auch keine epischen Dimensionen. Nein, der Grund ist anderswo zu suchen und ich überlege gerade, welche Worte am besten zutreffen, um die Situation zu beschreiben. Schwerfällig vielleicht, ja, das kommt der Sache nahe.

Die Idee hinter dem Plot ist an sich schon ziemlich komplex. Es geht um die Vermischung von Politik und Wirtschaft, an sich ein Thema, das nicht nur in den Sechzigern und Siebzigern der USA aktuell (und problematisch) war, sondern auch heute noch in Europa und anderswo zum Alltag gehört. Und in der Ausgabe, die ich las, hat Robert Ludlum auch ein längeres Vorwort geschrieben, was ihn damals zu diesem Roman bewegte.

Manchmal meine ich aber, dass es gerade für einen Roman durchaus angebracht wäre, die Dinge etwas einfacher darzustellen, als sie tatsächlich sind. Nicht selten war ich mir nicht sicher, ob

a) ich etwas überlesen hatte
b) ich zu dumm bin
c) Ludlum etwas patzte

Wie gesagt, die Idee für die Geschichte ist spannend und vielversprechend. Die Umsetzung ist für meinen Geschmack jedoch überhaupt nicht gelungen. Viel zu viele Personen, Namen und Funktionen. Viel zu viel Rahmengeschichte, die nicht wirklich nötig wäre. Viel zu viel „Unglaubliches“, das passiert, den Leser etwas ratlos zurücklässt, unrealistisch erscheint oder schlicht naiv ist.

Andrew Trevayne ist ein äusserst erfolgreicher Geschäftsmann, der sich aber nicht nur Freunde geschaffen hat. Aufgrund seiner Unabhängigkeit (politisch, wirtschaftlich und überhaupt) wird er überredet, einen Sonderausschuss zur Überprüfung der Militärausgaben zu leiten. Man vermutet da Ungereimtheiten – zu Recht, wie der Leser von Beginn an weiss. Dann beginnen die politischen Spielchen, die Trevayne erst davon abhalten sollen, das Angebot anzunehmen. Dann versucht man, seine Wahl zu verhindern, bedroht schliesslich ihn und seine Familie und als alles nichts hilft, will man ihn zum Präsidenten machen. Ja, richtig gelesen, er soll Präsident der USA werden. Aber auf eine Art, die ihn – ohne es selber zu wissen – von ihnen abhängig machen würde. Wer „sie“ sind, ist so einfach wie komplex zu erklären. Die halt, die hinter dem Genessee-Komplott stehen und/oder von ihm profitieren.

Genessee ist ein riesiger Rüstungsgigant mit hunderten Tochterfirmen, Filialen und Beteiligungen, der sich das weitaus grösste Stück Kuchen an den Rüstungsausgaben der USA holt. Manchmal zu Recht, manchmal auf dubiose oder illegale Weise. Aber jeder profitiert davon und deckt den Konzern deshalb. Sitzen ja alle im gleichen Boot, letzten Endes. Und wer nicht pariert, wird halt über Bord geworfen. Oder sonstwie politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich ausgeschlossen.

Ach, ich kriege kaum geordnete Gedanken hin, wenn ich mich an diesen Roman erinnere. Ich schliesse da ab. Wer unbedingt will, soll halt selber lesen. Aber soll sich niemand beschweren, wenn die Geschichte langatmig, stellenweise richtig langweilig, häufig wenig glaubwürdig und einfach schleppend erscheint.

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