Der Präsident (Sam Bourne)

Der Präsident _ Sam BourneEs ist vermutlich fast unmöglich, dieses Buch zu lesen ohne ständig Donald Trump vor Augen zu haben. Und natürlich sind die Gemeinsamkeiten mit dem amtierenden US-Präsidenten gewollt. Behaupte ich zumindest, denn anders ist es kaum vorstellbar. Und um dem Ganzen noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, hat der deutsche Verleger beschlossen, ein Profil auf der Titelseite abzubilden, das wohl nahezu jeder als Donald Trump erkennt. Bei der Art, wie Donald Trump regiert, erstaunt es mich eigentlich, dass er den aktuellsten Roman von Sam Bourne nicht verbieten ließ. Aber vermutlich käme das nur einem Eingeständnis gleich: Jawohl, der Autor schildert konkret die Person Trump, deshalb geht das nicht.

Der Präsident im Roman wird nie namentlich genannt. Es ist nur die Rede vom Präsidenten. Das ist vermutlich ebenfalls gewollt. Den Namen Trump konnte er ihm wohl nicht geben, sonst wäre da tatsächlich ein Skandal entstanden. Und hätte er ihm einen anderen Namen geben, würden die Leser nicht mehr den Donald vor Augen sehen beim Lesen.

Nun, der Thriller handelt im Wesentlichen davon, dass der Präsident eben so ist, wie er aktuell in der Realität zu sein scheint. Und weil er rein aus Emotion beinahe einen Atomkrieg ausgelöst hat, wollen ihn zwei hohe Beamte des Weissen Hauses aus dem Amt schaffen. Erst versuchen sie das auf zivile Art, als die scheitert organisieren sie einen Attentäter. Der Plan steht bald – sorgfältig bis ins Detail ausgearbeitet.

In der Zwischenzeit begeht der Leibarzt des Präsidenten Selbstmord und Maggie Costello, die eigentliche Hauptfigur des Romans, wird damit betraut, die Meinung der Medien und der Bevölkerung zu „kontrollieren“. Ihr fallen am angeblichen Selbstmord jedoch Ungereimtheiten auf, so dass sie bald von einem Mord ausgehen muss. Und mehr durch Zufall und teilweise sogar durch Fehlüberlegungen kommt sie eben diesem Attentat auf die Schliche.

Obwohl sie absolute Gegnerin des amtierenden Präsidenten ist, tut sie ihre Pflicht und versucht, das Attentat zu vereiteln. Das misslingt ihr jedoch, allerdings überlebt der Präsident trotzdem. Spätestens ab da wird’s mitunter seltsam, wie sich verdächtig schnell Puzzleteil um Puzzleteil zusammen fügt und Costello aus lauter Fragezeichen innert weniger Seiten eine komplexe Verschwörung entlarvt. Das Attentat ist eigentlich nur eine von mehreren Geschichten, die hier ineinander fließen. Und in Anbetracht der Tragweite der von Costello letztlich aufgedeckten Verschwörung ist der schiefgegangene Anschlag fast schon vernachläßigbar.

“Der Präsident‘ ist eine währschafte Thriller-Kost, die nie langweilig wird und natürlich nicht zuletzt durch ihre Aktualität fesselt. Bourne (der eigentlich Jonathan Freedland heißt) verknüpft das vermeintliche Hauptthema, den Anschlag auf den Präsidenten, mit anderen Handlungssträngen, bei denen ich mich mitunter stark wunderte, was die mit der Geschichte zu tun haben sollen. Das Tempo ist ziemlich hoch, Bourne versteht sein Handwerk, Unnötiges weitgehend wegzulassen und die Dinge zu vereinfachen. So kommt alles leicht verständlich rüber, keine technischen Details, die langweilen und keine tiefgründige Erklärungen von politischen oder anderen Abläufen.

Es gibt zwei, drei Stellen, bei denen ich persönlich meine, der Autor hätte etwas gar übertrieben. Aber mal ehrlich, wer wagt sowas noch zu sagen. Man muss sich ja nur den reellen Alltag anschauen…

Für Thriller-Fans absolut empfehlenswert.

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