Jakobshorn (Silvia Götschi)

Allegra Cadisch ist Hauptperson und Erzählerin zugleich. Sie lebt seit Jahren nicht mehr in Davos, kehrt aber in die Heimat ihrer Kindheit zurück, um an der Beerdigung ihres Vaters teilzunehmen. Sie zweifelt am angeblich natürlichen Tod des selbsternannten Dorfkönigs und Patriarchen. Warum sie das tut, will nicht so recht einleuchten. Sie tut es einfach.

Sie konfrontiert einen stetig grösser werdenden Kreis von Personen mit ihren Vermutungen und Verdächtigungen. Entgegen dem Willen der Polizei (und allen anderen) fängt sie auf eigene Faust mit Ermittlungen an. Die bringen sie zwar Schritt für Schritt weiter (manchmal auch auf gar wundersame Weise), führen sie aber auch immer tiefer in Abgründe in ihrer Familie, von denen sie nicht einmal ahnte.

Bis zum Ende des Buches hat Allegra so ziemlich jedes Familienmitglied mindestens einmal des Mordes an ihrem Vater verdächtigt. Und so nebenbei, weil Allegra weiter denkt als die in der Geschichte gezeigte Davoser Dorfpolizei, wird noch ein Mord aufgedeckt, von dem anfangs gar niemand wusste. Und irgendwie, so fällt mir grad ein, wird der auch nicht richtig zufriedenstellend abgeschlossen.

Silvia Götschi schildert sehr bildhaft und ausführlich viele, viele Details. Die meisten davon haben keine Bedeutung für die Story, aber sowas weiss der Leser ja erst hinterher. Anfangs zwingt man sich, die fantasievolle und mit vielen Metaphern versehenen Erklärungssätze zu lesen, sich vorzustellen und daraus irgendwelche Details für die Mordaufklärung herauszulesen. Irgendwann überfliegt man die Sätze nur noch. Es sind eh zu viele, um sie sich zu merken. Und am Ende stellt sich heraus, dass sie auch keine weitere Bedeutung haben, als eben die Bilder im Kopf des Lesers zu bilden. Mir persönlich war das zuviel des Guten.

Die Protagonistin Allegra Cadisch gefällt mit ihrem Selbstbewusstsein und ihren Zweifeln. Die Story ist da und dort etwas dünn geraten. Manchmal geschehen Dinge, die wirklich nicht glaubwürdig sind und es geschehen kleine Wunder. So ist Allegras iPhone-Akku schon im Lauf des Vormittags leer, obwohl sie das Gerät noch nicht benutzte. Und ein autistischer Junge hat nicht nur vor längerer Zeit ausgerechnet ein entscheidendes Bild geschossen, sondern durch einen konstruiert wirkenden Zufall gelangt Allegra auch noch an eben diese Foto. In der Art hat’s ein paar Punkte, wo man mal ein Auge zudrücken muss.

Ansonsten ist „Jakobshorn“ ein harmloser, aber keineswegs langweiliger Krimi. Besonders nett ist die Tatsache, dass die Autorin noch ein Glossar von zahlreichen bündnerischen Wörtern, die in der Geschichte vorkommen, auflistet. Dazu zählen Küchenspezialitäten, Landschaftspunkte wie auch alltägliche Begriffe.

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