Benzin – Ein Fall für Julia Wagner (Axel Hollmann)

Es gibt bereits zwei Romane mit Julia Wagner in der Hauptrolle auf dem Markt. Diese werden in den nächsten Monaten in überarbeiteter Version neu aufgelegt. Das bot dem Autoren Axel Hollmann die Möglichkeit, ein Prequel zur Julia Wagner-Reihe zu veröffentlichen. „Benzin“ spielt also vor den bereits erschienenen Wagner-Romanen und bietet somit einen idealen Einstieg.

Weniger ideal ist der Einstieg für Polizeikommissar Russ und seine Kollegin Lehmann, die er nur widerwillig mitnimmt. Er wurde auf einen Fall von Brandstiftung angesetzt, der scheinbar aus dem Lager von protestierenden Aktivisten gegen die Verteuerung von Wohnraum kam. Dem brennenden Radlader folgen bald die Limousine eines bekannten Bauherrn und schliesslich auch waschechte Hausbrände. Dabei kommen vermehrt auch Personen zu Schaden, einige sterben bei den Flammeninfernos sogar.

Fast unverzüglich verhaftet die Polizei unter Federführung von Kommissar Russ eine der Aktivistinnen. Die Beweise für deren Täterschaft sind allerdings so dünn, dass dem Leser sofort Fragezeichen auftauchen. Nur deswegen wird doch keiner verhaftet?! Schade, wurde da nicht mehr draus gemacht. Insbesondere die ganzen Tumulte, Machenschaften und Aktionen der Protestler hätten mir da gerne noch eine stärkere Rolle spielen dürfen. Man liest zwar davon, bekommt aber wenig mit, was die eigentlich wirklich tun während ihren Demos.

Eine ähnliche Meinung wie der kritische Leser hat bei den ganzen Vorkommnissen auch die junge Fotoreporterin mit Polizeivergangenheit. Julia Wagner ist beruflich mit den Demonstranten unterwegs und zweifelt durch verschiedene Umstände zusehends daran, dass die Polizei die richtige Person erwischt hat.

Auf eigene Faust ermittelt sie gegen den Partner der Verhafteten, später gegen einen seltsamerweise an jedem Brand anwesenden Penner und entdeckt schliesslich, was tatsächlich hinter den Brandstiftungen steckt. Überraschend ist einerseits die starke Wendung, die am Ende kommt, noch viel mehr aber die Tatsache, dass Julia Wagner der Sache sozusagen im Alleingang auf die Spur kommt.

Sie hat allerdings den vom Autor gewollten Vorteil, dass sie sich doch des Öfteren auf glückliche Umstände verlassen kann. Ein Satz, der mir beim Lesen mehrmals durch den Kopf ging: „Die hat mehr Glück als Verstand.“ Das ist dann auch der Punkt, der mir an „Benzin“ etwas stark negativ aufgefallen ist. Die Story ist gut, realitätsnah und durchaus aktuell. Die Figuren werden gut eingeführt, ohne dass man nach wenigen Seiten den Überblick verliert. Und es ist stets eine gewisse Spannung vorhanden.

Aber die Hauptfigur Julia Wagner, ja, die ist mir irgendwie … zu unverständlich. Als ehemalige Polizistin müsste sie sich der Risiken und Gefahren viel mehr bewusst sein, als sie es im Buch vorgibt. Als Kampfsportlerin überzeugt sie mich auch nicht wirklich. Zu schnell lässt sie sich von anderen überrumpeln. Und einige ihrer Entscheide, sich in Gefahr zu begeben, sind irgendwie einfach nicht so ganz glaubwürdig.

Julia Wagner entspricht aber der Regel für solche Geschichten, dass aus normalen Menschen so was wie Helden werden. Ohne Waffe (auch wenn sie sich manchmal eine wünschte), dafür mit viel Elan kommt Schritt für Schritt voran und findet letztlich heraus, wer und was hinter den Anschlägen steckt. Ihre Ermittlungen sind zwar geprägt von glücklichen Zufällen, aber durchaus nachvollziehbar. Der Autor verzichtet glücklicherweise auf verworrene Geschehnisse, die man als Leser kaum oder gar nicht verstehen und nachvollziehen kann. So kann man sich sehr gut mit der jungen Wagner identifizieren und mit ihr mitfiebern. Im Showdown geht’s um viel Menschenleben. Der Brandstifter hat sich ein besonderes letztes Ziel ausgesucht.

Die Geschichte hat ein wunderschönes, unerwartet emotionales Happy End. Allerdings nicht für alle Figuren. Da gibt es auch solche, mit wichtigen Rollen, die den neuen Band 1 der Julia Wagner-Reihe nicht überleben.

Gefallen hat mir übrigens, wie Hollmann die Erlebnisse von Julia Wagner in der ersten Person (Ich-Form) schrieb, während alles andere in der dritten Person geschildert wird. Eine Vermischung dieser beiden Formen habe ich bislang kaum gesehen, hat mir aber gut gefallen.

„Benzin“ ist ein lesenswerter Krimi, der in Berlin der Gegenwart spielt und ein aktuelles Thema der Verteuerung des Wohnraums aufgreift. Es kommen beide Seiten, die demonstrierenden Aktivisten wie auch ein Immobilien-Spekulant, zu Wort. Die Geschichte dreht sich aber schon hauptsächlich um die wagemutigen Ermittlungen von Julia Wagner. Ich werde nach deren Erscheinen sicher auch die beiden „älteren“ Bände lesen.

Verdankenswerterweise habe ich vom Autoren ein Rezi-Exemplar erhalten. Ich kannte bislang weder die beiden Julia Wagner-Romane noch sonstige Bücher von Hollmann. Entsprechend ging ich unbeschwert an die Sache. Auch wenn ich kostenlos überlassene Romane mit Wohlwollen rezensiere, will ich dennoch einen ehrlichen Bericht schreiben und entsprechend auch nicht mit kritischen Punkten zurück halten.

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