Underground – 13. Reacher-Band (Lee Child)

Uff, der war krass. Nachdem mich Lee Child in seinem vorherigen Roman „Outlaw“ nicht absolut zu überzeugen vermochte, schöpft er in „Underground“ wieder aus dem Vollen.

Reacher ist in der New Yorker U-Bahn unterwegs und bemerkt eine Frau, die offensichtlich ein Attentat plant. Beim Versuch, einen Anschlag zu verhindern, spricht er sie an. Die Frau will eindeutig keinen Anschlag verüben, zieht statt dessen einen Revoler, hält ihn sich an den Kopf und drückt ab. Und ab da gerät alles aus den Fugen.

Dass die Polizei in massiver Anzahl auftaucht, damit rechnet Reacher. Dass aber seltsame Agenten, die offensichtlich in offizieller Mission unterwegs sind, sich aber auszuweisen weigern, kann Jack Reacher nicht einordnen. Als er dann nach dem Verlassen des Polizeigebäudes nochmals von einer Gruppe Männern angesprochen wird, verwundert ihn noch mehr.

Alle wollen sie wissen: Was hat die Frau ihm gesagt? Was hat sie ihm gegeben? Jack antwortet zweimal mit Nichts, worauf ihm alle den Rat geben, die Sache schleunigst zu vergessen. Das führt aber genau zum Gegenteil: Reacher wird neugierig. Er recherchiert auf eigene Faust.

Als Leser fragt man sich: Wie, um alle Welt, soll man aus dieser Situation überhaupt irgendwie irgendwas herausfinden. Die einzige Person, die Antworten liefern könnte, hat sich eben eine Kugel in den Kopf gejagt. Darüber hinaus weiss man genau nichts.

Extrem spannend erzählt uns Lee Child dann aber Seite um Seite, Kapitel für Kapitel, wie Reacher schrittweise Informationen sammelt, auswertet und deutet. Und weil er sich nicht aus der Sache raushält, wird er ständig von den Behörden gesucht und muss sich versteckt halten. Dabei stört ihn am meisten, dass er keine Ahnung hat, weshalb.

Sein Gegner ist eine Gruppe ausländischer Typen aus der al-Qaida-Ecke, die hinter bestimmten Daten her ist. Das Selbstmordopfer hätte ihnen diese Daten bringen sollen, doch zu dieser Übergabe kam es nie. Reacher findet heraus, dass die Daten einem Ex-Militär, der für die Wahl in den Senat kandidiert, ziemlich schaden könnte. Doch welchen Terroristen würde das schon interessieren? Also muss es mehr geben.

Dieser Punkt klärt sich nie, als Leser bleibt man da ebenso im Dunkeln wie Jack Reacher. Irgendwie etwas, das man von Lee Child so noch nicht kannte, wurden doch in den bisherigen Romanen eigentlich stets alle Fragen geklärt. Doch stören muss das niemanden, es gibt genügend andere Punkte, über die man sich beim Lesen mit der Hauptfigur Reacher den Kopf zerbrechen kann. Es ist der Wahnsinn!

Dass Child in „Underground“ wieder die Ich-Form wählt, macht die Sache noch spannender. Man hat nie eine Ahnung, was die Gegenseite, die Polizei oder die Homeland Security unternimmt, man ist immer „nur“ bei Jack Reacher, seinen Handlungen, seinen Gedanken, seinen Schilderungen.

Tagged: Tags

One thought to “Underground – 13. Reacher-Band (Lee Child)”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.