Outlaw – 12. Reacher-Band (Lee Child)

Es spricht grundsätzlich ja für sich, dass ich mit „Outlaw“ tatsächlich den zwölften Jack Reacher-Roman in Folge gelesen habe. So etwas habe ich nicht mal mit Tom Clancy-Büchern gemacht, die ich vor einigen Jahren für unschlagbar hielt.

Die Reacher-Romane zeichnen sich durch viel Spannung aus, hier und da ziemlich viel Action und einem Typen, der mit James Bond verwandt sein könnte und fast alles im Alleingang schafft. Das war die Rezeptur der letzten elf Bände, das ist sie auch in „Outlaw“. Und doch ist „Outlaw“ in meinen Augen etwas anders. Vielleicht der schlechteste Reacher bislang.

Das erwähnte Rezept funktioniert natürlich auch in „Outlaw“ prima. Aber diesmal ist die Geschichte etwas gar weit an den Haaren herbeigezogen. Und Child hat sich die Sache irgendwie ums Verrecken möglichst kompliziert machen wollen. Eine kriminelle Machenschaft reicht nicht, zwei reichen auch nicht, es müssen gleich drei geheime Aktivitäten sein, die in eine einzige Geschichte verpackt werden, die in einem einsamen Kaff in Colorado spielen.

Das bietet unheimlich viel Komplexität, die beim Lesen vielerorts bis zum Schluss überhaupt nicht durchschaut werden konnte. Bei den letzten Reacher-Bänden habe ich mich nicht selten gefreut, dass ich gewisse Dinge schneller erkannte als der Serienheld sie bemerkte. Aber in „Outlaw“ gibt uns der Autor kaum eine Chance, die Sache vor Reacher zu durchblicken, so seltsam sind die teilweise ineinander spielenden Aktivitäten.

Es beginnt eigentlich damit, dass Jack Reacher in Despair verhaftet und ausgewiesen wird. Warum? Weil die kleine Stadt keine Fremden will. Das wird nicht so direkt gesagt, erkennt der Leser wie auch Reacher jedoch bald. Jetzt ist es einzig Reachers Neugierde, die ihn nochmals nach Despair treibt, obwohl er ein Verbot hat, die Gemeinde zu betreten. Er tut’s nacht, entdeckt eine Leiche, die danach aber nicht mehr auffindbar ist. Und dann ergibt sich eines ums andere, immer ist es nur Reachers Neugierde, die ihn antreibt.

Despair – so heisst die fremdenfeindliche Stadt – scheint einem Firmenboss zu gehören, der gleichzeitig ein fanatischer Christ und der einzige Prediger der Stadt ist. Mit einem mehr oder minder isolierten Dorf und einer Endzeitkirche, der alle Bewohner angehören – das wäre ein glaubwürdiges Szenario für so manche seltsame Aktivität. Aber darum geht’s letztlich nicht.

Die Aktivitäten, die im Konflikt mit dem Gesetz stehen, scheinen mit der Firma, einer riesigen Recycling-Gesellschaft, im Zusammenhang zu stehen. Doch wie? Ausserdem: Was hat der einsame Posten der Militärpolizei mit mehreren gepanzerten Einsatzfahrzeugen in deren Nähe zu suchen?

Ich will an dieser Stelle nicht allen jenen die Spannung nehmen, die den Roman noch lesen. Spannend ist er nämlich tatsächlich. Nur einfach mit zu vielen Dingen gefüllt, die unbefriedigend reinpassen oder an den Haaren herbei gezogen erscheinen. Irgendwie einfach des Guten zu viel.

Ich hoffe mal, das war ein einmaliger Absacker von Child und die nächste Ausgabe macht das wieder wett.

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