Jack Reacher. Der Film.

Es ist erstaunlich, dass erst 2012, als bereits fünfzehn Jack Reacher-Romane erschienen waren und sein Erfinder Lee Child längst ein Bestseller-Autor war, der erste seiner Romane verfilmt wurde. Basierend auf dem Roman „Sniper“ (Originaltitel: One Shot) heisst der Film mit Tom Cruise in der Hauptrolle schlicht „Jack Reacher“. Vermutlich hat Lee Child das so in den Vertrag gesetzt, um die von ihm erfundene Romanfigur bekannter zu machen.

Die Besetzung von Jack Reacher durch Tom Cruise ist in meinen Augen doof. Der Cruise hat Ethan Hunt in der Mission:Impossible-Reihe durch seine Mimik und seinen Charakter geprägt. Leider scheint Herr Cruise nicht viel mehr drauf zu haben, als er in den Mission:Impossible-Filmen gezeigt hat. Deshalb wirkt Jack Reacher stets wie Ethan Hunt. Schlecht.

Jack Reacher haben wir noch nie im Kino gesehen bis 2012 (für mich bis 2017). Warum kann man da nicht einen neuen Schauspieler etablieren? Oder wenigstens einen etwas weniger ausgelutschten Mittelklasse-Actor?

Zum Film: Die Handlung war mir natürlich weitgehend bekannt, weil ich den Roman bereits gelesen hatte. Allerdings hat man sich beim Niederschreiben des Drehbuches ziemlich viele Freiheiten genommen. Der Privatdetektiv Franklin, die Schwester des Angeklagten und die Fernsehjournalistin, die alle drei ziemlich wesentliche Rollen haben im Buch, kommen im Film nicht mal ansatzweise vor. Dafür gibt’s Szenen, die den kranken Charakter des Zecs zeigen, die man von irgendwo hat, sicher nicht aus dem Buch. Auch die Autoverfolgungsjagd, die ziemlich gut gemacht ist, findet man im Buch nicht.

Das Finale, das im Buch sehr spannend geschildert wird, verkommt im Film zum 08/15-Showdown: Kieswerk, Dunkelheit, heftiger Regen. Und während es im Buch schon ziemlich schwer zu glauben war, dass Reacher sich gegen die Übermacht durchsetzt, ist das im Film schon lächerlich. Vorbereitete Männer mit automatischen Gewehren gegen Reacher mit einem Messer. Und sein Scharfschütze, der ihn unterstützt, scheint kein einziges Mal ins Schwarze zu treffen. So gelingt Reacher im Film das Finale sozusagen im Alleingang, während er im Buch doch noch die Unterstützung anderer benötigte. Und der bei Reacher ohnehin ausgeprägte Hang zur Selbstjustiz wird im Film noch zusätzlich übertrieben, indem man Reacher keine Gefangenen machen lässt.

Und während man im Buch noch bis ziemlich zum Schluss ausharren muss, bis man weiss, wer denn noch unter der Decke mit den Verbrechern steckt, ist das im Film schon viel zu früh offensichtlich.

Überhaupt wurde vieles vereinfacht, beschleunigt oder gestrichen. Anderes, wie das Herstellen einer Verbindung zu den Opfern, geschah dafür komplett anders und von Beginn an. Scheinbar haben Drehbuchautoren ziemlich viele kreative Freiheiten.

„Jack Reacher“ ist ein Film, der gute Action bietet, aber sehr viel von der Spannung seiner Romanvorlage vermissen lässt. Positiv aufgefallen ist mir hingegen das weitgehende Wegbleiben von Musik. Bin mir gar nicht mal sicher, ob überhaupt Musik im Film vorkommt. Das gibt etwas Natürlichkeit, die man in anderen Hollywood-Streifen gerne vermisst.

Nett auch, dass dem Roman-Autor Lee Child eine kleine Cameo-Rolle zuteil wurde.

Alles in Allem weiss ich jetzt mal wieder, wie viel toller ein Buch zu lesen ist. Stundenlange Spannung statt nur mal 90 bis 120 Minuten.

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