Der Janusmann (7. Reacher-Band) – Lee Child

Oha, das geht ja mächtig los. Kaum hat man mit Lesen begonnen, wird Jack Reacher Zeuge einer Entführung, bei der zwei Leibwächter von Maschinenpistolen durchlöchert und anschliessend von einer Handgranate zerfetzt werden. Wenige Sekunden später erschiesst er die zwei Entführer, bringt ihren Wagen zum Stehen und den Entführten in Sicherheit. Versehentlich erschiesst er dabei noch einen Cop in Zivil, der zu Hilfe eilen will. Da wurde ich stutzig: Passt das zum Übermenschen Reacher? Versehentlich einen Cop erschiessen? Ich war fast ein bisschen enttäuscht.

Die Enttäuschung hält nicht lange an, denn der Leser erfährt wenige Seiten später, worum’s wirklich lief und was wirklich schief ging. Hut ab, da hat sich Lee Child eine nette Story ausgedacht.

„Der Janusmann“ gefällt. Zwar wechselt Child im Gegensatz zu den letzten paar Romanen wieder zur Erzählung in der ersten Person (wie im Erstling „Grössenwahn„). Das verunmöglicht zwar grundsätzlich, dass man die Geschichte aus mehreren Sichten vorantreiben kann, Lee Child hat das aber prima gelöst. Zum Einen ist die Geschichte genügend komplex und spannend, zum Anderen hat Child einen Weg gefunden, trotzdem zwei Geschichten gleichzeitig zu erzählen, die auch noch perfekt ineinander passen.

Der Grund, weshalb sich Reacher nämlich überhaupt für die Drogenpolizei (DEA) einspannen lässt und sich als verdeckter Ermittler in das persönliche Umfeld eines Grosskriminiellen einschleust, ist in seiner zehn Jahre alten Vergangenheit zu finden. Und die wird zwar nicht von Anfang an erzählt, aber doch früh genug, um der Sache noch etwas mehr Dramatik zu verleihen.

Reacher wird in den Sicherheitsdienst des Kriminellen eingestellt und ist bald für dessen persönliche Sicherheit zuständig. Damit er in kurzer Zeit so weit kommt, muss er sich allerdings ein paar Geschichten einfallen lassen und auch diesen oder jenen unauffällig ausschalten. Dass ihm das überhaupt gelingt, ist zwar nicht immer ganz glaubwürdig, aber letztlich auch nicht unmöglich.

So findet Reacher früher oder später nicht nur heraus, dass die Firma seines neuen Chefs nicht wie erwartet Drogen, sondern Waffen schmuggelt, er findet auch letztlich zu dem Widersacher, den er vor zehn Jahren schon ausschaltete, der dies aber auf unerklärliche Weise überlebte. Und, ganz typisch Reacher, erledigt er diesen nicht etwa auf besonders schmerzvolle und langsame Art, wie es der Leser vielleicht erwarten würde, sondern rasch und endgültig.

„Der Janusmann“ ist für meinen Geschmack einer der besseren Reacher-Romane. Kann ich empfehlen.

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