Sein wahres Gesicht – 3. Reacher-Band (Lee Child)

Der dritte Roman von Lee Child in der „Jack Reacher“-Serie. Und es ist auch der dritte Roman um den Ex-Militärpolizisten Jack Reacher, den ich in Folge lese. Es ist interessant, wie sich Childs Stil innerhalb von drei Büchern stark spürbar änderte. Erzählte er im ersten Roman „Grössenwahn“ noch einzig aus der Sicht der Hauptperson, kamen in „Ausgeliefert“ parallel verlaufende Handlungsstränge hinzu. Und im dritten Buch nun werden regelrechte Spannungsbögen von den Geschichten verschiedener Protagonisten hin und zurück geschlagen.

Das macht den dritten Roman deutlich abwechslungsreicher als noch den ersten. Allerdings täuscht das Tempo, mit dem der Leser von hier nach da und weiter nach dort geholt wird, nicht abschliessend darüber hinweg, dass sich einige Ungereimtheiten eingeschlichen haben, oder zumindest Handlungen und Entscheidungen, die man irgendwie nicht so richtig verstehen kann. Aber Scheiss drauf, es ist durchwegs spannend und genau das will man, wenn man einen Jack Reacher-Roman liest.

Die Handlung in „Sein wahres Gesicht“, das im Original übrigens „Tripwire“ (Stolperdraht) heisst, dreht sich im Wesentlichen um einen Soldaten, der nicht aus dem Vietnamkrieg nach Hause kam, offiziell aber nie als tot bezeichnet wurde. Seine Eltern setzen auch nach dreissig Jahren noch vieles daran, ihn noch einmal zu sehen, sie glauben nicht an seinen Tod. Was die Army ja offenbar auch nicht tut, aber nicht sagen will, warum.

Nachdem Jack Reacher auf etlichen Umwegen in den Fall gezogen wird, kommt er erst einem Betrüger auf die Schliche, der den sehnlichen Wunsch von Hobies Eltern (so hiess der vermisste Soldat) schamlos ausnutzte. Reacher ist danach und nach mehreren Gesprächen mit Armeeangehörigen und einem ausgiebigen Blick in das Soldatendossier von Hobie überzeugt, dass er nicht mehr lebt.

Dann häufen sich aber plötzlich Anzeichen dafür, dass er eben doch noch leben könnte und eine schmutzige Karriere als Krimineller einschlug. Eigentlich spricht alle Logik dagegen, aber alle Hinweise dafür. Reacher gelangt in arge Zweifel an seiner Intuition und hadert gleichzeitig mit seinem Schicksal, das ihm eine neue „alte“ Freundin und ein eigenes Haus verschaffte.

Die Frage, wer Hobie nun wirklich war und noch ist, beantworten erst die letzten zehn, zwanzig Seiten. Für den Leser ist einiges davon ziemlich überraschend, weil man wichtige Teile nicht erfährt, z.B. das Telefongespräch zwischen Reacher und Newman, das im Prinzip der Schlüssel zur Lösung war. Man liest zwar, dass sich Reacher das Gesagte viermal wiederholen lässt, aber nicht, was es ist.

Beim Showdown geht’s dann auch für Reacher unerwartet schnell um Leben oder Sterben. Wüsste man nicht, dass es noch weitere Reacher-Romane gibt, würde man sich als Leser wohl innerlich von der Hauptfigur verabschieden.

Die Brutalität in diesem Band ist nach wie vor vorhanden, aber Lee Child hat sich diesbezüglich etwas „gebessert“ und den Gewaltlevel minim zurück gefahren gegenüber den Vorgänger-Romanen.

Ich glaube, ich habe das noch nie gemacht, aber ich werde mir sogleich den vierten Lee Child-Jack Reacher-Roman in Folge reinziehen.

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