Grössenwahn – 1. Reacher Band (Lee Child)

„Grössenwahn“ ist der erste Band einer langen Reihe über einen ehemaligen Militärpolizisten namens Jack Reacher. Vor wenigen Monaten hat er die Armee verlassen und reist seither umher, ist mal da, mal dort, nirgends sesshaft und ohne Ziel unterwegs.

Eine spontane Entscheidung lässt ihn in der Nähe der Kleinstadt Margrave aussteigen und das Kaff besuchen. Damit fängt die Geschichte und auch der Ärger an, denn dieser zufällige Entscheid war Voraussetzung für alles, was danach in diesem Roman abgehandelt wird.

Erst wird er verhaftet, kommt ins Gefängnis, wo man versucht, ihn umzubringen. Dann wird er wieder frei, weil seine Unschuld bewiesen ist. Doch damit fängt der Ärger überhaupt erst an an dessen Ende Reacher einen Falschgeld-Ring ungeahnter Grösse aufmischt und einigen Geiseln das Leben rettet.

Alle Leben kann er aber nicht retten. Und die sterben dann mitunter auf recht grausame Weise. Woher die Autoren auch bloss ihre Ideen herhaben, wenn sie über Mord und Totschlag schreiben, wundert mich manchmal schon. Childs Fantasie ist manchmal ziemlich brutal, unnötig brutal.


Sehe ich von diesem kleinen Punkt ab, ist die Geschichte äusserst spannend, obwohl sich der Autor auf voll und ganz auf die Erzählung aus Sicht Jack Reachers beschränkt. Da gibt es keine parallelen Handlungsstränge, denen man als Leser zu folgen versuchen muss. Alles schlank und direkt.

Die Geschichte berührt mich nicht mehr als eine James Bond-Story. Natürlich wird es Falschgeld-Produzenten geben, auch solche, die das im vergleichbaren grossen Stil machen wie die Täter in „Grössenwahn“. Aber einzelne Elemente nehmen der Geschichte meines Erachtens dann doch wieder ziemlich viel ihrer Glaubwürdigkeit, so zum Beispiel, dass durch grosszügige Geschenke an so ziemlich alle Bewohner ein ganzes Dorf gekauft werden kann, ohne dass irgendwo irgendwann irgendwer Fragen stellt.

Auch dass Geldfälscher eine ganze Lagerhalle voller unverpackter Noten besitzen und das Geld zwecks Transport lose in Kartonschachteln verpacken, ist wenig überzeugend und erinnert mehr an Dagobert Duck. Gebündelte Noten schön gestapelt verpackt brauchen viel weniger Platz, lassen sich einfacher verpacken und transportieren, das würde auch der dümmste Gauner begreifen.

„Grössenwahn“ ist aber keine Geschichte, die 100 % realistisch sein muss, viel mehr muss sie unterhalten. Dafür musste ich mich zuerst an den etwas abgehackten Schreibstil des Autors gewöhnen, der viele Details erzählt und es auch schafft, mehrere Seiten einigermassen spannend oder unterhaltsam zu schreiben, ohne dass wirklich irgendetwas passiert.

Da „Grössenwahn“ bereits zwanzig Jahre alt ist (1997), bin ich auf die weiteren Bücher gespannt, insbesondere ob sich eine Entwicklung in Lee Childs Schreibstil erkennen lässt.

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