Inferno (Dan Brown)

Ich fand‘ es damals schon ein wenig gaga, was für ein Theater um Dan Browns neuen Roman gemacht wurde, als er 2013 kurz vor der Veröffentlichung stand. Lange durfte man nicht mal den Titel erfahren.

Heute habe ich ihn fertig gelesen. Innert drei Tagen. Um die 670 Seiten. Und ich weiss nicht so recht, was ich davon halten soll. Auf jeden Fall halte ich den Hype um Dan Brown und „Inferno“ für völlig übertrieben.

Die 670 Seiten bieten zwar viel Stoff fürs Geld. Allerdings ist der Roman nur deswegen so umfangreich, weil Herr Brown enorm viel Platz ausführlichen Schilderungen der örtlichen Gegebenheiten, ihrer historischen Bedeutung und den dazugehörigen geschichtlichen Hintergründen widmet.

Die Story liest sich nicht selten, als würde ein verhinderter Lehrer versuchen, möglichst viele historische Anekdoten und Erzählungen rüber bringen wollen und das Ganze in eine Art Thriller verpackt zu haben.

Dass sich die Geschichte mehrmals komplett ändert, scheint ein Mittel von Dan Brown zu sein, die Spannung höher zu schrauben als sie die Geschichte eigentlich hergibt. Schon vor der ersten Wendung fand ich das Ganze schon ziemlich weit hergeholt. Spätestens nach der zweiten Komplettwendung regt sich in mir ein Gedanke: Wenn man seine Geschichte ständig komplett drehen darf, ist’s irgendwie auch nicht mehr so eine grosse Kunst, sie spannend zu machen.

Im Wesentlichen geht’s ja um den altbekannten Professor Langdon, bei dessen Namen ich immer Harrison Ford vor mir sehe, obwohl die Figur im Film von Tom Hanks gespielt wird. Langdon soll wegen eines Streifschusses das Gedächtnis der letzten Tage vergessen haben. Schon seltsam, wie er es danach trotzdem schafft, innert weniger Stunden einem komplexen Rätsel wieder auf die Spur zu kommen. Wenn am Ende die Auflösung kommt, dass es gar kein Streifschuss war, sondern… Da habe ich mich dann erwischt, wie ich kopfschüttelnd weiterlas.

Aber der Hauptkritikpunkt, der die ganzen 670 Seiten irgendwie völlig unglaubwürdig werden lässt, ist der mit diesen komplexen Rätsel, dessen Auflösung im Prinzip das ganze Buch in Anspruch nimmt. Wenn schon ein irrer Wissenschaftler ein Virus auf die Menschheit loslassen will, warum sollte er dann noch ein Rätsel draus machen und so zumindest theoretisch seinen Gegnern die Möglichkeit geben, seinen Plan zu vereiteln. Völlig unglaubwürdig und deshalb für mich kein wirklich tolles Buch.

Schade, ich glaube, da hätte man mehr draus machen können, wenn man sich weniger darauf versteift hätte, so viel Historik einzupacken und mehr als 600 Seiten zu liefern. Ob da der Verlag Druck ausgeübt hat?

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