Diabolus (Dan Brown)

Wenn eine komplexe Sache in einer Geschichte einfach verständlich eingebaut werden soll, muss sie zuweilen schon mal vereinfacht werden. So entstehen dann „Fakten“, die nur ein ahnungsloser Leser als Tatsache hinzunehmen bereit ist. So zum Beispiel, dass die zentrale Datenbank auch im Notfall nur durch ein halbstündiges Prozedere vom Netz zu nehmen ist.Es sind aber auch die handvoll Ungereimtheiten, die mich stören: Eine allmächtige NSA, die komplizierteste Zusammenhänge aufzudecken vermag, fällt auf den plumpesten Email-Trick herein. In einem Virus ist der Code, der ihn zum Stoppen bringt, versteckt. Und den kann man, nachdem man tagelang daran scheiterte, den Programmcode zu entziffern, plötzlich einfach so lesen.

Es gäbe noch ein paar andere zu weit hergeholte Punkte. Wenn darüber hinwegsieht bleibt ein äusserst vielseitiger und spannender Thriller mit einem Hauch Moralpredigt. Äusserst ansprechend vermischt Dan Brown in seinem Debüt-Roman Fakten und Fiktion, wobei der unbedarfte Leser selten sicher ist, was der Realität entspricht und was Herr Brown erfunden hat.

Sehr gefallen hat mir, wie Brown die zweieinhalb Parallel-Geschichten erzählt. Dank den verhältnismässig kurzen Häppchen hat man keine Mühe, den gleichzeitig ablaufenden Geschichten zu folgen. Gerade dann wertvoll, wenn man das Buch nicht „am Stück verschlingt“. Wer allerdings kapitelweise lesen will, wird es schwer haben. Das Kapitel endet nämlich in bestern „Cliffhanger“-Manier jeweils an einer spannenden Stelle, an der man „unbedingt“ weiterlesen muss.

Zur Geschichte
Ein Ex-NSA-Mitarbeiter will sich rächen und gleichzeitig seine Meinung zum Thema Schnüffelstaat, Big Brother und Privatsphäre durchsetzen. Er macht das, indem er einen Code auf den Markt zu bringen droht, der für die NSA unknackbar ist. Das würde das Ende der NSA bedeuten. Die hat verschiedene Szenarien, um dem entgegenzuwirken. Der Leser erfährt davon erst sukzessive. Und am Ende ist doch alles anders, als es schien. Persönliche Gier und Professionalität stehen einander im Weg. Und der Code, genannt Diabolus, ist auch nicht das, was alle meinen.

Bis zum grossen Showdown gefällt die Geschichte absolut. Der Schluss hingegen hätte ich mir doch ziemlich anders gewünscht. Statt einem typischen Ende à la Hollywood hätte ein offener Ausgang besser gepasst. Und ausserdem die Option für einen zweiten Teil offen gelassen. Was auch marketingmässig besser gelegen wäre. Aber darauf ist Herr Brown mittlerweile nicht mehr angewiesen.

Fazit
Sehr spannender Thriller mit leichtem Hang zur Technik und etwas vielen zurecht gerückten Details. Aber 100% empfehlenswert, wenn man nicht grad Web-, Datenbank- oder Krypto-Spezialist ist. 🙂

Ich freue mich auf den nächsten Dan Brown.

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