Ragdoll – Dein letzter Tag (Daniel Cole)

Mit Ragdoll ist Daniel Cole ein sehr erfolgreicher Debütroman gelungen. Angeblich erschien der Roman in fast drei Dutzend Ländern, ist ein Bestseller und hat schon eine TV-Serienproduktion in Planung. Sehr schön, dass Cole in Interviews betont, dass Ragdoll zwar ausschaut, als wäre es sein Über-Nacht-Erfolg, er tatsächlich aber seit sechs Jahren gekämpft hat, überhaupt einen Verlag zu finden. Das relativiert den Erfolg dann doch wieder auf ein sympathisch ernüchterndes Mass.

Der Klappentext ist angsteinflössend und deutet schon klar an, dass es sich um harte Kost handelt. Ich habe vor lauter Angst, nicht mehr schlafen zu können, die Lektüre einige Wochen hinausgezögert. Ganz so schlimm ist die Geschichte dann doch nicht. Krank, ja. Hässlich, ja, wenn man sich das Gelesene jeweils bildlich vorzustellen versucht.

Im Wesentlichen geht es um eine Liste, die ein Mörder veröffentlicht. Darauf sind sechs Personen aufgeführt mit dem jeweiligen zukünftigen Datum ihrer Ermordung. Die Namen scheinen willkürlich zusammen gestellt, obwohl fast vom ersten Moment an fest zu stehen scheint, dass ein Zusammenhang da sein muss. Der letzte auf der Liste ist Wolf, ein äusserst umstrittener Detective der Metropolitan Police von London.

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Eure Dummheit kotzt mich an (Rayk Anders)

Rayk Anders ist Journalist und vielleicht einigen bekannt als YouTuber, der Verschwörungs- und andere Theorien mittels fundierter Recherche ad absurdum führt. Das ist in Zeiten, in denen jedes noch so seltsame Blog eines Einzelnen (wie der romanfresser, haha) zur mutmasslichen Informationsquellen irgendwelcher Behauptungen mutieren kann, sehr wichtig und sinnvoll. Dubiose Seiten, die vorgeben, unabhängige Medien zu sein, verbreiten Infos und Berichte, die manchem Leser schon beim ersten Durchsehen suspekt erscheinen. Aber eine Behauptung kann noch so absurd sein, es finden sich immer Leute, die sie glauben. Und schlimmer noch, die sie weiter verbreiten und damit noch mehr Deppen finden, die sie glauben.

Ich kann mich erinnern, wie ich sprachlos und kopfschüttelnd da stand, als ein Bekannter von mir behauptete, die Kondensstreifen der Flugzeuge seinen sog. Chemtrails, beinhalten Chemikalien, die zu weiss-ich-was-für-Zwecken versprüht werden. Genau seit diesem Tag weiss ich: Egal wie doof eine Aussage ist, es findet sich immer ein Gläubiger.

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Thurgauer Kriminalgeschichten (Hans-Peter Amherd)

Thurgauer KriminalgeschichtenDer Thurgau ist ein Schweizer Kanton im Nordosten des Landes, angrenzend an den Bodensee. Der Autor dieses Buches hat bei der dortigen Kantonspolizei verschiedene Posten besetzt und war zuletzt Chefermittler. Im Buch berichtet er von den seltsamsten, aufsehenerregendsten und mitunter makabersten Fällen, die im Kanton Thurgau vorgefallen sind. Und das klingt irgendwie spannender als es tatsächlich ist. Aus mehreren Gründen.

Das Buch ist mit knapp über 160 Seiten eher dünn. In diesem überschaubaren Umfang sind ganze 14 Fälle erzählt. Dass man da seine Erwartungen in gewisser Hinsicht drosseln muss, ist klar. Jedem, der meinen Bericht hier liest, zumindest. Ich wusste im Vorfeld nichts davon.

Nun gut, der Autor und selbsternannte Schriftsteller konzentriert sich in den meisten Fällen auf einen prägnanten Schreibstil , der einem Polizeirapport ähnelt. Aus solchen hat Amherd auch die meisten Infos zu seinen spektakulären Thurgauer-Fällen. Diese gehen bis zu 80 Jahre zurück, verständlich, dass hierzu nur noch spärlich Details bekannt sind (wenn überhaupt). Deshalb erfährt der Leser auch kaum etwas zu der Polizeiarbeit, also dem Wie. Wie wurde der Fall gelöst, wie kam die Polizei dem Täter auf die Spur, wie wurde gearbeitet. Das ist schade, insbesondere weil ich genau darauf gehofft hatte.

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